standard-title Naulo Bato – Der neue Weg Wiederaufbau des Dorfes Jaisigaun nach dem Erdbeben in Nepal

Naulo Bato – Der neue Weg

Wiederaufbau des Dorfes Jaisigaun nach dem Erdbeben in Nepal

Wir wollen ein Dorf adoptieren

In Nepal ereignete sich am 25. April 2015 eine Katastrophe. Ein starkes Erdbeben hat zahllose Gebäude zerstört und viele Menschenleben gekostet. In einigen Dörfern ist kein einziges Haus mehr bewohnbar. Durch Erdrutsche sind Straßen unpassierbar geworden. Noch immer sind manche Dörfer unerreichbar. Die internationale Gemeinschaft hat prompt reagiert, hat Hilfsgüter und Rettungsmannschaften geschickt und dadurch viele Menschenleben gerettet. Jetzt sind die meisten Helfer wieder nach Hause zurückgekehrt, und nur einiges Militärpersonal aus Indien, China, den USA und VK ist geblieben. Auch sie werden nach und nach das Land verlassen, und es werden dann nur noch Trümmer und Chaos bleiben.

Vater und zwei Jungs auf zerstörter HausmauerIn allen Teilen der Welt wird heute für Nepal gesammelt. Das Land braucht sehr viel Geld und Knowhow, um das normale Leben wiederherzustellen. Es liegen keinerlei Unterlagen vor, wie viel Geld gesammelt worden ist und wo das Geld geblieben ist. In Nepal ist bis jetzt kaum etwas in den eingerichteten Hilfsfond eingezahlt worden. Mehrere Hilfsorganisationen sind in Nepal tätig, aber es fehlt an wirkungsvoller Koordination. Eine Organisation verteilt heute Hilfsgüter in einem Dorf, das leicht zu erreichen ist, und am nächsten Tag kommt eine andere Organisation und tut das gleiche. Dadurch bekommen solche Dorfbewohner, die wegetechnisch gut erreichbar sind, wiederholt Hilfsgüter, abgelegene Dörfer jedoch bekommen gar nichts.

Sicher hilft es den Menschen, die diese Hilfsgüter bekommen, die nächsten Tage zu überbrücken – aber was geschieht danach? In einigen Wochen oder Monaten werden sie alle vergessen und allein gelassen sein.

Purushottam Pande, der das Dorf und seine Einwohner gut kennt und dort auch ein eigenes Grundstück hat, kam die Idee, ein Dorf zu adoptieren, es marschallplanmäßig aufzubauen und als Vorzeigedorf zu entwickeln. Dafür sind vor allem Freiwillige, Studenten, Ruheständler, Fachkräfte nötig, die unentgeltlich dem Dorf helfen wollen. Anstatt Mayonnaise und Thunfisch als Hilfsgüter zu senden, sollte man versuchen, konkret und gezielt nachhaltige Hilfe zu leisten. Die Regierung Nepals hat sich wiederholt beschwert, dass zwar vollgeladene Flugzeuge mit Hilfsgütern in Kathmandu landeten, aber was da kam, war nicht, was die Menschen brauchen konnten, sondern eher, was die Geberländer in möglicher Unkenntnis auf den Weg gebracht haben. Was nutzt Mayonnaise in Nepal? Es wurde auch beklagt, dass viele Nahrungsmittel nicht mehr genießbar waren, weil sie ihr Haltbarkeitsdatum überschritten hatten.

Für manch eine Hilfsorganisation in Nepal ist es fast eine traurige Mode geworden, sich mit Trockennahrung und Wasserflaschen in einem Dorf fotografieren zu lassen. Meist brauchen die Bewohner keine Wasserflaschen, weil die dortigen Brunnen noch Wasser liefern. Oft wollten die Menschen auch keine Fertignahrung, sondern eher Zelte und Wellbleche, um sich vor dem drohenden Monsunregen schützen zu können.

Das ist das Dorf Jaisigaun

Nepal ist in 14 Verwaltungszonen aufgeteilt, und diese bestehen aus 75 Distrikten. Die Verwaltungszonen sind in fünf Entwicklungsregionen zusammengefasst. Insgesamt gibt es mehr als 4000 Stadt- und Dorfgemeinden in Nepal. Eine Dorfgemeinde ist normalerweise in 9 Wards aufgeteilt. Das Dorf, von dem ich berichte, liegt im Distrikt Nuwakot und in der Dorfgemeinde Bhadrutar, es heißt Jaisi Gaun. In diesem Dorf leben 96 Familien und ca. 300 Wahlberechtigte. Die Gesamteinwohnerzahl liegt schätzungsweise bei knapp unter 800 Menschen. Das Dorf ist in eine Berglandschaft eingebettet und liegt auf einer Meereshöhe zwischen 800 und 1500 m.

KIndergruppe steht vor Fels-Schutt-HausDas Erdbeben hat das Dorf völlig verändert. Die Katastrophe vom 25. April hat fast alle Häuser unbewohnbar gemacht. Zum Glück sind nur drei Menschen ums Leben gekommen. Durch das starke Nachbeben vom 12. Mai sind aber viele der Häuser, die noch standen, ebenfalls unbewohnbar geworden oder sogar eingestürzt. Die Menschen haben kein Dach mehr über dem Kopf. Sie müssen im Freien schlafen und sind auf Hilfe angewiesen. Da die Mehrheit der Häuser von größeren Transportmitteln nicht erreichbar ist, kamen die bereitgestellten Hilfsgüter bei diesen Menschen nicht an. Mit großen Mühen habe ich es geschafft, am 14. Mai 100 Planen und 100 Isomatten dorthin bringen zu lassen. Die Dorfbewohner waren sehr glücklich, da die Hilfsgüter an alle Bewohner gleich verteilt wurden und keiner leer ausgehen musste. Ich habe versprochen, die Kosten für diese Güter mit Hilfe von Freunden und Bekannten zu tragen. Jede Familie bekam Hilfsgüter im Wert von etwa 25 Euro. Wenigstens sind sie somit vor dem bald einsetzenden Regen etwas geschützt.

Ideen & Pläne

Purushottam Pande und der Verein Naulo Bato e.V. stellen sich vor, das Dorf Jaisigaun in Zukunft zu einer autarken, also zu einer sich selbst versorgenden Gemeinde zu entwickeln. Dabei sind folgende Projekte vorgesehen:

  • Förderung ökologischer Landwirtschaft
  • Energieversorgung durch eine Biogas-Anlage
  • Errichtung eines Schulgebäudes mit Schutzraum, auch als Gemeindezentrum dienend
  • Wiederaufbau der zerstörten Tempelanlage
  • Aufforstung
  • Be- und Entwässerungsanlagen
  • Trinkwasserversorgung
  • Toilettenanlagen

Wer kann helfen?

  • Land- und Forstwirte
  • Bauingenieure
  • Architekten
  • Elektroinstallateure
  • Pädagogen

Rentner und Pensionäre, die hier etwas für ihre in Not geratenen Mitmenschen tun möchten, mögen sich vielleicht daran beteiligen und mit ihrem Wissen und Können einige Zeit in dem Dorf verbringen. Praktikanten sind ebenso willkommen.

Zurzeit verwendet man auf den Feldern Kunstdünger und Pestizide. Man sollte die Dorfbewohner davon überzeugen, dass sie auch ohne Chemie akzeptable Erträge erzielen können, die vor allem auch im Verzehr gesünder sind.

Da fast alle Häuser beschädigt sind und wieder aufgebaut werden müssen, könnten Fachleute den Dorfbewohnern helfen, mit lokal vorhandenen Materialien erdbebenfeste Häuser zu bauen. Die Häuser liegen nicht zusammen im Dorfverband, sondern die Familien bauen ihre Häuser dort, wo sie ihre Felder haben. Deshalb befinden die Gebäude sich in Einzellage verstreut in der Gemarkung.

Elektroinstallationen sind in Nepal meist äußerst laienhaft durchgeführt und daher gefährlich. Man könnte geeignete Dorfbewohner anleiten, sichere und gute Installation von Elektrokabeln vorzunehmen.

Es gibt in Nepal öffentliche und auch private Schulen. Die Eltern, die sich kostenpflichtige Privatschulen für ihre Kinder nicht leisten können, schicken sie in öffentliche Schulen. Man könnte diese öffentlichen Dorfschulen qualitativ verbessern, damit Kinder erfolgreicher in öffentlichen Schulen lernen und dadurch Eltern von hohem Schulgeld befreien, denn der Besuch öffentlicher Schulen ist unentgeltlich. Da einige Kinder unterernährt sind, könnte man den Kindern in der Schule ein gesundes Mittagessen anbieten (und auch damit die Schule attraktiver machen).

Es wäre sinnvoll, die Schulkinder in Forst- und Landwirtschaft zu unterrichten. Für den praktischen Teil des Unterrichts würde ich mein Land, das ich in dem Dorf noch besitze, zur Verfügung stellen.

Die Dorfbewohner verwenden hauptsächlich Holz als Energiequelle zum täglichen Kochen. Dadurch reduziert sich laufend der Baumbestand in Nepal. Fortsetzungsmaßnahme sind dringend in Angriff zu nehmen (Bodenzerstörung bei Entwaldung). Gleichzeitig könnte eine Biogas-Anlage in jedem Haushalt installiert werden, damit Abholzung für das benötigte Brennholz reduziert oder sogar verhindert wird.

Gedanken zur Umsetzung der Pläne

Die Häuser sind zwar zerstört, aber Teile der Bausteine und des Bauholzes kann man noch verwenden. Die Regierung hat auch billige Kredite zum Wiederaufbau in Aussicht gestellt. Dadurch reduzieren sich die Baukosten. Die meisten Kosten verursachen die Löhne für die Bauarbeiter. Ein Hausbesitzer wird mit seiner Familie manche Arbeitsgänge in Eigenleistung erbringen können, und er braucht nur noch die Arbeiten zu bezahlen, die er selbst nicht erledigen kann, etwa die eines Maurers oder Zimmermanns. Ein Fachmann muss ihnen vor allem mit Spezialkenntnissen für die weitgehende Erdbebensicherheit des Neubaus zur Seite stehen, ihnen die nötigen Baumaterialien empfehlen.

Eingestürzte Hausmauern - Blechhütte im HintergrundDas Schulgebäude sollte so konzipiert sein, dass es außerhalb der Unterrichtszeit auch als Treffpunkt für die Dorfbewohner und gleichzeitig als Schutzraum dienen könnte. Da der Tempel völlig zerstört ist, wird der Wiederaufbau der Anlage nötig sein. Die Gehwege sind unsicher, und ihre Nutzung ist beschwerlich. Da die Frauen und Männer ihre Agrarerzeugnisse selbst von den Feldern nach Hause tragen, wäre es eine große Erleichterung für sie, sichere und gut begehbare Wege zu haben. Während der Monsunzeit gibt es einerseits Überschwemmungen, andererseits gibt es nicht genügend Wasser während der Trockenzeit. Ein Wasserreservoir würde Abhilfe schaffen.

Da den Schulkindern aus der Stadt Kathmandu der Alltag der Landbevölkerung und deren Arbeit meist völlig fremd sind, könnte man Schulausflüge aus der Hauptstadt aufs Land organisieren. Das Dorf Jaisigaun liegt nur 25 km von der Stadtgrenze Kathmandus entfernt.

Freiwillige Experten und Helfer würden für die Kosten ihrer Reise und ihres Aufenthalts selbst aufkommen müssen.

Natürlich wird es ohne finanzielle Hilfen von außen nicht weitergehen. Die Arbeiten könnten mit einem Finanztopf von etwa 500.000 Euro beginnen. Weitere 2-3 Millionen Euro werden für den gesamten Neuaufbau nötig sein.

Spendenkonto

GLS Bank Bochum
BIC: GENODEM1GLS
IBAN: DE 77 4306 0967 2059 721100
Kontoinhaber: Purushottam Pande
Stichwort: Hilfe für Nepal

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